Eine kleine Geschichte aus dem Arbeiterleben
Hein, seit seiner Lehre vor dreißig Jahren engagierter Gewerkschafter im Hafen, saß nach dem Abendessen wieder einmal vor seinem Computer, da die Glotze nur Dummtüch brachte, wie er und seine Frau Kati es nannten, wenn Autos über die Autobahnen flogen, oder Diedder Talente suchte.
Kati hatte es sich mit einem Krimi auf dem Sofa gemütlich gemacht, als Hein plötzlich große Augen bekam und laut sagte: Ich lach mich kaputt.
Dabei schlug er sich auf die Schenkel, als hätte er gerade den besten und schmutzigsten Witz seines Lebens gehört.
Was ist denn mit dir los!, fragte Kati und sah von ihrem Buch auf.
Ach, hier steht `was Komisches im Netz.
Erzähl mal.
Hein nippte von seinem Rotwein und sah, am Monitor vorbei, zum Sofa.
Ich habe dir doch erzählt, dass die vom Gewerkschaftsbund, also dessen Bosse, die Seminarhäuser hier in Hamburg und in Starnberg schließen wollen.
Ja, und du hast gesagt, dass sie die Belegschaft neulich vor vollendete Tatsachen gestellt haben, scheinbar ohne wirklich Alternativen gesucht zu haben. War da nicht auch noch was mit dem Pachtvertrag?
Stimmt, meinte Hein und schob die Financial Times zur Seite, denn sie knisterte unter seinen Ellenbogen. Alternativen hat man den Mitarbeitern nicht aufgezeigt, oder nicht wirklich. Und Vorschläge von den Kollegen wurden auch nicht abgefragt.
Und was ist daran jetzt so lustig?
Na dieser Text hier. Auf der Homepage die ich gerade geöffnet habe. Ist `ne Firma die sich IQ-Consult nennt und da steht auf der ersten Seite:
Unternehmen, Management und Interessenvertretungen unterliegen ständigen dynamischen Veränderungsprozessen, die es zu gestalten gilt. Innovation und Qualifikation – IQ steht für die Entwicklung innovativer Konzepte und für ein Prozessmanagement zu aktuellen Problemlagen. Wir liefern keine Lösungen, die von außen implantiert werden, sondern erarbeiten Ansätze, die die Handelnden und Betroffenen einbeziehen und in der jeweiligen betrieblichen Realität tragfähig umgesetzt werden können. Dadurch erreichen wir, dass bereits bei der Konzeptionierung von Lösungsansätzen die Potentiale und Dispositionen aller am Prozess Beteiligten sinnvoll einbezogen werden.
Kati schüttelte den Kopf und sah ihren Mann verständnislos an.
Wo ist der Witz?
Na rate mal, wer im Impressum der Seite als Geschäftsführer angegeben wird?
Wer?
Eben der Mann, der, als Chef, auch den Mitarbeitern in Hamburg und Starnberg mitgeteilt hat, dass die Häuser Ende 2011 geschlossen werden.
Das ist nicht lustig, Hein. Du willst mir doch nicht etwa sagen, dass
der Mensch, der in seiner Firma für die Einbindung aller am Prozess Beteiligten wirbt, an anderer Stelle genau entgegengesetzt agiert.
Das, Hein, ist nicht lustig. Das ist ich weiß nicht was es ist. Hat der nicht gerade auch einen Mitarbeiter ins Abseits gestellt? Hans, kennst du den nicht auch?
Ja, das ist so.
Na, dann hat dieser Mitarbeiter sich wohl zu sehr am Prozess beteiligen wollen.
Hein ahmte einen Comedian nach: Riiiichtiiig! Und soll ich dir mal was sagen? Wenn man sich nur kurz Gedanken macht, was den Häusern helfen könnte, da fällt mir spontan ein:
| | Urlaubs-/Übernachtungsangebote für Gewerkschaftsmitglieder in den flauen Zeiten, wie Sommerferien, Winterferien, vor den BR-Wahlen, zum Hafengeburtstag, Starnberger Lichterfest etc. |
| | Angebote der Volkshochschulen im BZ |
| | Angebote zur Unterbringung von Betriebsräten zu Klausurtagungen |
| | Weitere Events wie z.B. die bisher erfolgreichen Hamburger Spieletage |
| | Angebot an Gewerkschaftsmitglieder oder Nachbarn für private Veranstaltungen zu günstigen Preisen (Jubilarfeiern, Hochzeiten etc.) |
| | Werbungsaktionen ala Tag der offenen Tür, um auch die Nachbarschaft zu interessieren, vielleicht um Vereine zu locken |
| | Angebote in der Zusammenarbeit mit Firmen zu den Themen Lean und Kaizen, natürlich gewerkschaftskonform |
| | Gewerkschaftliche Grundseminare (Vertrauensleute etc) in Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Einzelgewerkschaften |
| | Fachfremde Seminare wie z.B.: Geschichte zur Arbeiterbewegung, Politik (Rechts-/ Linksradikalismus) |
| | Seminare zu Arbeitsicherheit und Gesundheitsschutz |
| | Fortbildungen (Bewerbungstraining etc) für Arbeitsuchende (scheint makaber in dem Zusammenhang, aber es ist ein Geschäftsfeld in dem sich viele Private gesund sanieren, aber im Zusammenhang mit DGB hätte das Ganze sicher eine andere Qualität). |
Oder liege ich da falsch?
Kati dachte kurz nach,
Nö!
Siehste!, sah sich Hein bestätigt. Und wir sind nur einfache Arbeiter, keine Manager und Doktoren.
Mensch, Hein, was könnte denen denn erst einfallen, wenn sie wollten.
Hein sah in sein Weinglas. Darin verzerrte sich gerade das Spiegelbild der aufgerufenen Webseite von IQ-Consult.de.
Ich glaube, Kati, sie wollen nicht.
Redaktionelle Anmerkung:
Dieser Beitrag wurde mit einem Nicknamen bzw. Pseudonym veröffentlicht. Diese Möglichkeit bieten wir Beschäftigten des DGB Bildungswerks – fest angestellten, wie Honorararbeitnehmern und auch ihren Angehörigen – damit sie keine arbeitsrechtlichen Repressionen befürchten müssen. Der Wunsch unter einem solchen Nicknamen zu veröffentlichen, kann im Eingabe-Formular vermerkt werden.
Euer Webmaster dieser Seite des FK Sasel


Hallo zusammen,
dieses verhalten mit nicht beugsamen Kollegen und/oder Mitarbeitern ist uns ja nicht unbekannt.
Das hauptamtliche Gewerkschafter so handeln, wie Sie jetzt handeln, zeugt von großer Hilflosigkeit und Respektlosigkeit gegenüber Menschen die gelernt haben zu kämpfen. Unsere Freunde aus den Arbeitgeberlagern werden dies mit freuden beobachten, Sie werden uns das mit schmakes bei passender Gelenheit um die Ohren hauen, mit dem Hinweis Ihr seid auch nicht besser als wir.
Hans laß dich nicht unterkriegen.
Mit äußerts kollegialen Grüßen.
Sigi Thielen