Als ehemaliger Teamer in Sasel, ehemaliger Betriebsrat der MAVD in Peine und Mitglied des Vetrauenskörpers bei MAVD in Peine habe ich viele Seminare besucht, auch die der privaten Anbieter, doch nie waren diese Schulungen so intensiv und fachkundig wie zum Beispiel in den Bildungszentren der IGM in Berlin-Pichelsee, der IGM in Sprockhövel, des DGBs in Hattingen oder in Hamburg-Sasel. Und ich glaube, dass es vielen aktiven und ehemaligen engagierten Arbeitnehmervertretern so geht.
Es ist etwas Anderes, wenn man von ebenfalls engagierten Referenten und Referentinnen die Grundlagen und Gesetzeswelt erklärt bekommt, als von „nur“ bezahlten Vortragenden in einem 4-Sterne-Hotel.
Es ist etwas Anderes, wenn man mit den KollegInnen auch nach dem Seminar im Bierkeller zusammensitzt und palavert, als wenn man sich anonym in ein Hotelzimmer zurück zieht.
Es ist etwas Anderes, wenn man sich 14 Tage lang in einem BZ dem Thema widmet, als es über zwei, drei oder vier Tage in „Schnell-Prozessen“ eingetrichtert bekommt.
Es ist etwas Anderes für einen Gewerkschafter, einen gewerkschaftlich engagierten BR, wenn er sein Wissen im Schoße der eigenen Organisationen vermittelt bekommt, als in einem Hotel, das sich am nächsten Tag wieder den Touristen oder Seminaren von Staubsaugervertretern kümmert.
Wenn die Organisationen, wie der DGB, die nur durch ihre Mitglieder überleben können, den Mitgliedern eine solche Basis entziehen, nur um sich der Wirtschaftlichkeit zu unterwerfen und der Unwirtschaftlichkeit zu entgehen, dann frage ich mich ernsthaft: Wie wollen diese Organisationen ihren Mitgliedern in den BR-Gremien, den Wirtschaftsausschüssen, den Arbeitnehmervertretungen in den Aufsichtsräten Handwerkszeuge gegen die „bösen“ Arbeitgeber in die Hand geben, wenn sie selbst als viel schlimmere Arbeitgeber agieren und nicht aus den Fehlern ihrer „Gegner“ gelernt haben?

Wie kann Michael Sommer, der ja ehemaliger Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung ist, einem Gewerkschafter noch in die Augen sehen, wenn er DIE Unterstützer der gewerkschaftlichen und betriebspolitischen Arbeit, nämlich die Bildungszentren, aus wirtschaftlichen Gründen schließen lässt und somit die Kollegen und Kolleginnen in ihrem Recht und Anspruch an Bildung an außergewerkschaftliche und auch wirtschaftlich operierende Unternehmen verweist?

Normalerweise würde ich denken, dass eine solche Maßnahme, wie die wohl anstehende, aber auf jeden Fall angedachte, Schließung von Sasel oder anderer Bildungszentren, eine Welle der Empörung durch die gewerkschaftliche Nation auslösen müsste. Aber leider gibt es hier „nur“ 2417 Unterschriften von Menschen, die, mal Platt gesagt, einen ***** in der Hose hatten und ihren Namen nannten, um ihre Unterstützung zu zeigen.
Und diese Unterstützung gilt, da gehe ich von aus, mitnichten nur dem BZ Sasel, sondern dem Erhalt gewerkschaftlicher Bildungsarbeit überhaupt. Diese steht nämlich hier auf dem Spiel.
Die große Welle der Empörung, wie von mir und vielleicht Anderen erwünscht, blieb allerdings aus.
Warum?
Wo ist die Gesamtheit, sind die Vorstände, die Bildungsbeauftragten der Verdi, der IGM, der NGG und der anderen?
Da kann man ja eigentlich nur spekulieren. Tue ich aber nicht, denn darüber sollte sich jedes Gewerkschaftsmitglied seine eigenen Gedanken machen.
Normalerweise müsste jeder Gewerkschafter ein Fax an den DGB und seine Einzelgewerkschaft senden mit dem Inhalt:
Ich bin gegen jede Schließung gewerkschaftlich geführter Bildungszentren, denn diese unterstützen mit ihrer Arbeit die Arbeit der Kollegen vor Ort und in den Betrieben.

Ich glaube, dass die Schließung Sasel nur ein kleiner Schritt von vielen ist, um den DGB und das Bildungswerk wirtschaftlich besser zu präsentieren. Da folgt noch mehr, wenn wir die kleinen Schritte zulassen.

Und zu guter Letzt, liebe Betriebsräte und ehemalige Teilnehmer, sollten wir ein Augenmerk auf die KollegInnen werfen, die in den Bildungszentren teils über Jahrzehnte arbeiten. Die, die euch/uns das Seminarleben angenehmer gemacht haben. Die für euch/uns geputzt, gekocht, aufgeräumt haben, die den Nagel für ein Bild in die Wand schlugen oder das Bett reparierten, die das Haus freundlich gestalteten.
Diese KollegInnen… müssen sie bald, in ein oder zwei Jahren, sagen:
Hartz4, das sind jetzt auch wir!

Deshalb: Sasel muss erhalten bleiben. Die DGB-Bildungszentren müssen erhalten bleiben. Die Möglichkeiten, unsere Mitbestimmung zu erlernen, müssen erhalten bleiben.

Und dafür müssen WIR agieren.