Folgendes hat „mein“ 1. Vorsitzende der IGM sowie einen Tag später auch ALLE Vorstandsmitglieder des DGB von mir per Mail am 30.09.2010 bekommen. Zumindest Berthold hat sich – wenn auch nur ein Mitarbeiter seines Funktionsbereiches – zu meiner Mail gemeldet. Die Kolleginnen und Kollegen vom DGB haben bisher nicht mit einer einzigen Äußerung reagiert! Tut mir leid – finde ich aber ein Armutszeugnis für einen Gewerkschaftsdachverband, der sich immer noch und ausschließlich über die Mitgliedsbeiträge finanziert!!!
Hier nun auch zu Eurer Info mein Mail an Berthold Huber:
Entscheidung im Vorstand des DGB am 04.10.2010
Lieber Berthold,
Ich darf Dich heute nicht nur als aktive IG-Metallerin, BR-Vorsitzende und Delegierte der Verwaltungsstelle Remscheid-Solingen anschreiben, sondern auch als Vorsitzende des DGB-Kreisverbandes Remscheid und langjährige ehrenamtliche Referentin fuer die IGM und inzwischen auch Teamerin fuer den DGB Bund.
Mir ist bekannt geworden, dass am 04. Oktober im Vorstand bzw der Geschaeftsfuehrung des DGB in Berlin die finale Entscheidung ueber die Zukunft der Bildungszentren des DGB in Hamburg-Sasel und Starnberg gefällt werden soll. Geruechteweise heißt es, dass man die Schließung der beiden Häuser zum 31.12.2011 favorisiert.
DAS KANN ICH UEBERHAUPT NICHT VERSTEHEN!
Wie können wir – als IG Metall und einer der großen Gewerkschaften – es zulassen, dass die Grundlagenbildung der Betriebsräte auch der kleineren Gewerkschaften, fuer die der DGB diese Aufgabe übernommen hat und fuer eine weiterführende Ausbildung auch unserer FunktionärInnen an solchen historisch und aus meiner Sicht auch aeusserst politisch wichtigen Standorten wie Starnberg und besonders Hamburg aufgegeben werden soll.
Du beschreibst in Deinem Buch gerade erst die Notwendigkeit des Kurswechsels. Dazu müssen wir aber auch erst – nach langen Jahren des fast schon als unpolitisch zu nennenden Umgangs mit den Gewerkschaften – viele unserer Kolleginnen und Kollegen und leider auch unserer Funktionaerinnen und Funktionaere politisieren.
Dies kann und wird meiner Ansicht nach nur ueber die Bildung, Fort- und Ausbildung unserer Vertrauensleute und Betriebsräte gehen. Und das „unsere“ möchte ich nicht nur auf die IGM beschränkt wissen. Denn ich bin mir sicher, dass wir nur gemeinsam unter dem Dach des DGB den Herausforderungen und weiteren Angriffen auf unsere sozialen Sicherungssysteme widerstehen und Gegenwehr erzeugen können, wenn alle Gewerkschaften an einem Strang ziehen.
Gerade deshalb können wir es uns gar nicht erlauben, auch nur die Möglichkeit der Schließung eines der Häuser, ganz besonders aber das in Hamburg, in Betracht zu ziehen.
Politische Bildung und Begeisterung fuer den Kampf auf ein besseres Leben kannst Du nicht auf Seminaren in 4-Sterne-Hotels stiften!!!
Ich bin – als von meiner IGMetall gewohnte Basisdemokratin – auch sehr überrascht, das dieses Thema überhaupt nicht bei uns Aktiven an der Basis angekommen ist. Bei wem hast Du, als im DGB fuer die IGM sprechender Verantwortlicher denn Dir die Meinung der aktiven IGMler, DGBler und Referenten/ Teamer und Teilnehmer eingeholt? Wer war in die Entscheidungsvorbereitung eingebunden?
Leider habe ich das Gefühl, dass hier NICHT die „Richtigen“ auch und vor allen Dingen gefragt wurden.
Wirtschaftliche Zwaenge seien grundsätzlich zu berücksichtigen. Das kann ich verstehen. Aber wenn wir unsere Zukunft als politische Gewerkschaft nicht gefährden wollen, müssen auch die Häuser in Hamburg und Starnberg (was wohl fuer Starnberg durch die Übernahme durch die IGM gesichert wäre) – somit also auf jeden Fall auch ein Haus in Hamburg erhalten bleiben fuer die Weiter- und Ausbildung unserer gewerkschaftlichen Brückenköpfe an der Basis – also in den Betrieben und Verwaltungen.
Ich bitte Dich, die richtige Entscheidung zu treffen und gegen die Schließung zu stimmen. Es gibt – soweit ich inzwischen weiß – auch den Vorschlag der Fortführung. Das ist eindeutig die einzig politisch richtige Entscheidung.
Fuer Deine Aufmerksamkeit und Zeit zum Lesen meiner Mail bedanke ich mich sehr herzlich bei Dir und hoffe, eine Antwort von Dir zu erhalten.
Mit solidarischen, kämpferischen und kollegialen Grüßen verbleibe ich Deine Kollegin
Bettina Reckert

